Herzlich willkommen in der ‚Anselm-von-Canterbury-Akademie für Christliche Philosophie und Katholische Theologie‘!

Im stimmenreichen, oftmals auch dissonanten Konzert der Weltanschauungen und Religionen begegnen dem Bürger der modernen, vielerorts auch als „postmodern“ genannten Welt verschiedenste Inhalts- und Gestaltsgebungen christlicher Religiosität.  Die polyphone Erscheinung, die öffentliche Vielgestalt christlichen Glaubens macht es erforderlich, Geltungsmaßstäbe und Kriterien des Christlichen zu markieren und in den öffentlichen Diskurs einzubringen: Christlicher Glaube und seine öffentlichkeitswirksamen Protagonisten, besonders also auch die kirchlichen Amtsträger sind aufgefordert, in forwährender Selbstklärung darüber zu entscheiden, was Begriffsinhalt von ‚Christlicher (Katholischer) Glaube‘ sein soll. Eine derartige Selbstklärung hat vernünftig zu erfolgen. Denn nur ein vernünftig konstituiertes Entscheidungsobjekt ist entscheidungswürdig und ist überzeugungsfähig. Der in der Geschichte des Denkens überlieferte und systematisch evidente Name derartiger Praxis vernünftiger Klärung ist derjenige der Philosphie. In institutionalisierter Kirchlichkeit als christlich-katholisches Denken vollzogen, ist der Name dieser Klärung derjenige der Theologie. Theologisches Denken ist philosophisches Denken (aber nicht jedes philosophische Denken ist theologisches Denken.

Philosophisches Denken als Alternative zu konservierender Traditionsbildung

In der Überzeugung, christlichen Glauben als vernünftigen Glauben ausweisen zu können, zugleich auch im Wissen, dass sich das Gesamtgeschehen und dass sich die Inhaltsbestimmungen christlichen Glaubens prinzipiell einer abschließenden Fixierung und satzhaft-katechetischen, einer soziologisch-institutionell konservierenden Traditionsbildung entziehen, ist die Anselm-Akademie ein Ort ursprünglicher theologischer Praxis, ein Ort ursprünglich theologisch-wissenschaftlicher Praxis. „Prinzipiell“ unmöglich ist besagte konservierende Traditionsbildung, weil sie dem christlichen Glaubens widerspricht. Auch dies aufzuzeigen ist Aufgabe der Anselm-Akademie. Sie gibt damit beidem einen Ort, sowohl also der Vernunft des Glaubens als auch der Inhaltsbestimmung des zu Glaubenden, erweist beide als zwei Aspekte ein und desselben, als Aspekte nämlich des christlichen, des im besten und eigentlichen Sinne katholischen Glaubens. Der Ort dieses Glaubens ist darin der Grammatik des Geistes eingebunden – es ist ein dialektischer Ort, die Topographie christlichen Glaubens ist eine dialektisch-hermeneutische Topographie.

Dieser Ort dialektisch-hermeneutischer und darin wissenschaftlicher Begriffsbildung und Systematisierung trägt den Namen des großen mittelalterlichen Philosophen, Theologen und Bischofs Anselm von Canterbury (1033/34-1109). Aufzuzeigen, dass dieser Name zu Recht als Titel der soeben skizzierten wissenschaftlichen philosophischen Praxis gewählt, dass selbige also zu Recht einem theologiegeschichtlich definierten Ort zugewiesen ist und ihr damit eine theologiegeschichtliche Rechtfertigung wiederfährt, ist eines der herausragenden Anliegen der Anselm-Akademie.

Über diese theologiegeschichtliche Hinsicht weit hinaus gehen die Fragestellungen, denen sich die Anselm-Akademie in systematischer Arbeit verpflichtet weiß: Lässt sich christlicher Glaube überzeugungsfähig rechtfertigen? Und soll derartige Rechtfertigung (auch) wissensorientiert geschehen, soll sie teilnehmen können am Diskurs der Weltanschauungen und Religionen? Und soll diese Teilnahme auch wissenschaftlich geschehen, in Handhabung eines begrifflichen Netzes, in methodisch gesicherter und richtiger Argumentation, in Formulierung einer Theorie? Und was sollen die Standards, was die Kriterien derartiger religiöser Wissenschaftlichkeit sein, im Verhältnis auch zu den Standards und Kriterien der Natur- und Sozialwissenschaften? Kann und soll religiöse Wissenschaftlichkeit überhaupt eintreten in den Diskurs säkularer Wissenschaftlichkeit, im Austausch der „je besseren“ Argumente, im „Ringen um die (eine?) Wahrheit“?

Im Interesse der Friedensfähigkeit der Religionen: Theologie als Philosophie

Die Anselm-Akademie fomuliert das Theologisieren, also die wissenschaftliche, die methodisch gesicherte Generierung wahrer Aussagen als Desiderat nicht nur christlich-katholischer, sondern überhaupt jeder Religiosität. Hierbei agiert sie im (ausweis- und nachweisfähigen) Wissen, dass diese Generierungspraxis nicht nur zur Identität christlich-katholischen Glaubens gehört, sondern dieser in der Stiftung und Formulierung seiner Identität angewiesen ist auf sie. In dem Maße, wie Religiösität rückgebunden wird an überzeugungsfähige Rationalität und die Überzeugungs- und Glaubwürdigkeit (sic!) religiöser Sätze im Rahmen von Theologie gebunden ist an die Möglichkeit deren rationaler Rekonstruktion, ist Religion zur Dialogfähigkeit entbunden und ist ein inter- wie intrareligiöse ökumenische Sprechen und Handeln möglich. Ein Friede zwischen den Religionen, von prominenter Stimme zu Recht zur Bedingung erklärt eines Friedens der Nationen, verlangt nach einer Bindung religiösen Spechens an die Maßgaben und Kriterien vernünftigen, hier also philosophischen Sprechens. Ein bloßer Rekurs auf die (letztlich nur kontingenten) Fakten eines aus den ethischen Maximen der einzlnen Religionen summativ synthetisierten Weltethos im Stile Hans Küngs wird hierzu nicht reichen.

Die Anselm-von-Canterbury-Akademie

Damit ist das Tätigkeitsfeld der Anselm-Akademie einleitend gekennzeichnet. Eine Kennzeichnung freilich, die unzählige weitere Fragen provoziert. Diese Fragen in ihrer Gesamtheit bzw. die vielen begrifflichen Verzweigungen, die mit den vorgetragenen Argumentationen unvermeidlich verbunden sind, sollen durch die Arbeit der Anselm-Akademie beantwortet bzw. bewältigt werden. Selbstverständlich eine Arbeit, die – dies ja überhaupt Kennzeichen wortgebundener Wissenschaftlichkeit als solcher – zwar Resultate und Ergebnisse, prinzipiell aber keinen Abschluss kennt.

Die Anselm-Akademie agiert als Einzelunternehmen innerhalb der katholisch-kirchlichen Bildungslandschaft des deutschsprachigen Raums und wird betrieben von MMag. Dr. Christoph Thoma, Telfs (Österreich). Sie ist zurzeit vor allem über ihre Homepage aktiv, darüber hinaus in Vortrags-, Seminar- und Unterrichtstätigkeit. Theologen und Philosophen, die im Rahmen der Anselm-Akademie tätig werden und/oder wissenschaftliche Beiträge (pdf-Format) zur Veröffentlichung einreichen wollen, nutzen bitte das Kontaktformular ( info@anselm-von-canterbury-akademie.at). Alle eingereichten Texte werden begutachtet und ggf. redigiert, im Falle ihrer Annahme erfolgt ihre Veröffentlichung unentgeltlich. Rezensionen zu allen im Rahmen der Anselm-Akademie publizierten wissenschaftlichen Beiträgen können auf gleichem Weg eingebracht werden, sie werden für gewöhnlich, selbstverständlich jedoch in Maßgabe ihrer Qualität, unkommentiert veröffentlicht.

Dem Selbstverständnis der Anselm-Akademie, zugleich auch dem Begriff katholischer Theologie, der von ihr gerechtfertigt und praktiziert wird, widerspricht es, als Klassifikationskriterium theologischer Sätze einen wie auch immer gearteten, einen gar per Taufschein oder akademischen Grad bestätigten „Glaubensakt“ zu installieren: Theologische Sätze sind theologische Sätze und sind wahre Sätze, wenn sie den Geltungsbedingungen und Kriterien theologischen und wahren Sprechens genügen, und diese Bedingungen und Kriterien liegen allein in der (philosophsichen) Vernunft bzw. sind aus dem ausweis- und überzeugungsfähigen Begriff philosophischer Vernunft ableitbar.

Vernunft und schulische Praxis

Neben ihrem wissenschaftlichen Anliegen stellt sich die Anselm-Akademie besonders den Herausforderungen der schulischen Unterrichtstätigkeit im Gegenstand ‚Katholische Religion‘ an mittleren und höheren Schulen. Denn Schulen sind sowohl Spiegel als auch Akteure des sozioökonomischen, politischen und geistig-kulturellen Ist-Zustandes einer Gesellschaft, einschließlich derer spezifisch religiösen Praktiken, Gewohnheiten und Überzeugungen. Daher hat die Bewältigung der skizzierten Aufgaben der Anselm-Akademie eine unmittelbare Relevanz für den schulischen Alltag. Sie ist zugleich aber auch und vor allem von diesem Alltag in evidentester Weise gefordert. Eine Forderung freilich, derer sich nur die wenigsten Akteure des schulischen Handlungsgeschehens bewusst sind. Denn der Kanon der in den schulischen Lehrplänen vertretenen Fächer wird für gewöhnlich eher als additive denn als systematische Einheit rezipiert, in jedem Fall aber betrieben. Allen Bekenntnissen zu einem „fächerübergreifenden Unterricht“, zu „Projektunterricht“ und „kooperativen Lehren und Lernen“ zum Trotz wird die Herstellung einer systematischen (und damit von den Schülern prinzipiell nachvollziehbaren) Einheit blockiert durch ein doppeltes Unvermögen des Großteils der verantwortlichen Unterrichtsakteure (‚Lehrer‘): Weder ist überhaupt ein Bewusstsein von den fundamentalen wissenschaftstheoretischen und logischen Anforderungen an fachspezifische wie fachübergreifende Sprachlichkeit verfügbar, noch sind gar Ansätze vernehmbar, in Unterrichtspraxis und gesamtschulischem Engagement solchen Anforderungen gerecht zu werden.

Religionsunterricht

Über die Anselm-Akademie werden auch die Anliegen und Grundstrukturen der Unterrichtstätigkeit Dr. Thomas transparent gemacht. Anders als im schulischen Kontext zumeist üblich, wird es den Schülern damit prinzipiell ermöglicht, die fachliche und didaktische Positionierung des von Dr. Thoma verantworteten Unterrichts und dessen Einordnung in das Gesamt schulischen Geschehens nachzuvollziehen. Das hierfür seitens der SchülerInnen unerlässlichen formalen Voraussetzungen und Fertigkeiten sollen sukzessiv vermittelt werden. Idealerweise gelingt es den SchülerInnen damit auch, ihre eigene Positionierung im Lebensfeld ‚Religion/Glaube/Kirche‘ schlüssig, also nachvollzieh- und kommunizierbar (neu) zu formulieren. Darüber hinaus soll ihnen zugleich damit möglich werden, auch in den von anderen Unterrichtsfächern repräsentierten Wissensgebieten zu neuen Einsichten und zu deren bereichsübergreifender Verbindung („systematische Einheit“) zu gelangen – frei damit auch von jener Form von Gewalt, die in den verschiedenen Facetten von Herrschaftswissen daherkommt und immer noch eine bleibende Konstante der gewöhnlichen curricularen Didaktik ist. Denn weder sind den verantwortlichen Protagonisten schulischen Geschehens die formalen und inhaltlichen Möglichkeitsbedingungen von Lernprozessen evident noch überhaupt der antinomische Charakter wortgebundenen Lernens .

In dieser Weise übt der Katholische Religionsunterricht insgesamt seinen Dienst aus an der ihn bergenden säkularen Gesellschaftlichkeit, diese erinnernd und ermahnend, zurückzukehren zu ihren eigenen, einst im Zeitalter der Aufklärung gestifteten geistigen Quellen. Geöffnet und erweitert ist damit das traditionelle Konzept diakonischer Religionsdidaktik. Denn nicht mehr nur der (die) einzelne SchülerIn oder die Gruppe der SchülerInnen sind Referenzobjekte und verantwortliche Subjekte des Unterrichtsgeschehens, sondern auch der säkulare Staat und seine gesellschaftlichen Subsysteme.