1. Christliche Identität im schulischen Kontext

Die Identität christlichen Lebens und Sprechens situiert sich im schulischen Kontext und Anforderungsprofil als Orientierungs- und Entwicklungsmuster gelingenden Lebens. In den Unterrichtsgegenstand ‚Katholische Religion‘ transformiert, ist die Art und Weise solch gelingenden Lebens kommunikativ verflüssigt, ist besagte christliche Identität einem komplexen und auf vielen verschiedenen Ebenen sich artikulierenden Netz unhintergehbarer Determinanten wie Herausforderungen überantwortet. Auszugsweise sind dies etwa die institutionellen Determinanten formaler Schulorganisation und inhaltlicher Schulpraxis; die lernräumlichen Determinanten verpflichtender Unterrichtsgegenstände und weltanschaulich diversifizierter Unterrichtsakteure; die schulamtlichen Determinanten verpflichtender Fachexplikationen (‚Lehrpläne‘) und kirchlich-katechetischer Ambitionen; die schülerabhängigen Determinanten erwarteten Nicht-Lernen-Müssens und beanspruchter weltanschaulicher Autarkie.

Die Praxis christlicher Identität ist geleitet vom Selbstverständnis, sich dieser und der vielen anderen Determinationen schulischen Geschehens auch und gerade in deren Widersprüchlichkeit bewusst werden, sie gleichwohl letztlich doch zu Konstituenten eigener Selbstgewahrung, zu Konstituenten christlicher Identität also modellieren zu können. Darin natürlich ist es Grundgestalt solch schulisch gegenwärtigter christlicher Identität, diese Determinanten nicht einfachhin in ihrer Tatsächlichkeit zu übernehmen, sie also nicht unvermittelt normativ zu perpetuieren. Vielmehr besteht diese Grundgestalt darin, besagte Determinanten sowohl auf der Ebene realen Erfahrungsgeschehens als auch auf der Ebene normativ-geistiger Selbstkonstitution zu integrieren. Eine Integrationsleistung, die die christliche Identität hier, im schulischen Kontext, gleich wie in jedem anderen Lebensbereich zu einer wesentlich dialektischen Identität macht. Darin zudem erkennt sie an, dass nicht nur solch christliche, sondern überhaupt jede Identität, die den Menschen als Menschen konstituiert, dialektisch ist und sein muss: Jede humane Identität ist, in der Sprache der philosophischen und theologischen Tradition, eigentlich geistige Identität. Und da bzw. insofern sich eine solche auch und gerade im Rahmen zeichengebundenen Verstehens ereignet, ist jede und auch christliche Identität zugleich hermeneutische Identität.

Die Kontextualisierung, also die argumentative Herleitung und nachfolgende Ausfaltung dieser Binnenstruktur christlicher Identität geschieht an verschiedenen Orten der Anselm-Akademie. Ihre Realisierbarkeit und Realisierungswürdigkeit sind Grunddaten im Selbstverständnis der Anselm-Akademie.

2. Religionsunterricht und Lehrplan

Dem Unterrichtsgeschehen im Pflichtfach ‚Katholische Religion‘ ist leitend vorgeordnet der entspr. approbierte Lehrplan. Noch ungesehen dessen inhaltlicher Bestimmungen in den Bereichen ‚Didaktik‘, ‚Ziele‘ und ‚Themenbereiche‘ ist es zunächst und vor allem dessen prädikatorenlogische Inkonsistenz, die seiner Umsetzung im Wege steht: Einer widersprüchlichen Handlungsanweisung kann selbst und gerade bei bestem Wissen und Wollen nicht gefolgt werden. Wohlgemerkt: Angemerkt ist hier ein Hindernis, das nach rechtfertigungsfähiger Überzeugung des Verfassers auf der Ebene der elementaren Prädikatorenregeln der betreffenden Lehrpläne besteht. Abgesehen wird also noch von der Wahrheit und Überzeugungsfähigkeit einzelner lehrplanlich verankerter Thesen und Behauptungen. Indem nun aber jede sprachliche Mitteilungspraxis als solche verpflichtet ist den Vorgaben, die auf jener (prädikatoren-)logischen Ebene bzw. auf der Ebene der elementaren Prädikatorenregeln angesiedelt sind, so auch eine als Lehrplan manifestierte sprachliche Mitteilungspraxis. Da und insofern letztere dann diesen Vorgaben nicht zu genügen vermag, sie also etwa keine Prädikatorenregeln installiert, deren Gebrauch nicht konsistent gestaltet oder sie nicht hinreichend differenziert, sind die Bedingungen der Möglichkeit ihrer Verständlichkeit, zugleich damit diejenigen ihrer handlungsleitenden Veritabilität untergraben. Ist letzeres der Fall, untergraben die entsprechenden Mitteilungen (hier also die Lehrpläne) ihren eigenen Verpflichtungscharakter, den sie zugleich doch und im Widerspruch hierzu explizit einfordern. Ihre Adressaten, in diesem Fall die Religionslehrer, sind damit schon von hier aus, aufgrund also schon formaler Aspekte, aufgefordert zu tun, was ihnen auf inhaltlicher Ebene immer schon selbstverständlich ist: Sie müssen einer kantschen Vernunftpraxis aufgeklärter Autonomie folgen und sich die Regeln ihres Handelns selbst geben.

Dennoch ist es möglich und opportun, im Rahmen der Anselm-Akademie die Unterrichtsmaterialen zu entwickeln und zugänglich zu machen entlang der lehrplanmäßig ausgewiesen Ziele, im vorliegenden Falle entlang also der Vorgaben im ‚Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht an berufsbildenden höheren Schulen‘ ausgewiesenen Ziele.

3. Arbeits- und Kompetenzblätter

Die im Rahmen der Anselm-Akademie angebotenen Arbeitsblätter befreien den Religionslehrer nicht vom Erfordernis didaktischer Analysen. Ebenfalls sind die ‚Arbeitsblätter‘ nicht schon als solche inhaltlich zustimmungsfähig, die in ihnen nachzulesenden Thesen und Argumente sind mithin nicht in jedem Fall und bereits als solche Lehr- und Lernstoff. Wohl aber soll deren wissensgeleitete Verwendung das Erreichen der verschiedenen Lehrplan-Ziele ermöglichen. Dieses ist und bleibt dabei eingebunden in die als ‚Konfessionalität‘ und ‚Kompetenz‘ jüngst in das österreichische Schulwesen eingebrachten Forderungskataloge. Jene Arbeitsblätter hingegen, die geeignet sind, im Rahmen von Prüfungsvorbereitungen als Lernunterlagen eingesetzt zu werden und einer inhaltlichen Kompetenzsteigerung also direkt zu dienen, sind nochmals eigens als [Kompetenzblätter in numerischer Reihenfolge] angeführt.

Den im ‚Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht an berufsbildenden höheren Schulen‘ im Punkt ‚3‘ vorgelegten Zielbestimmungen können die thematischen und formalen Zuordnungen der Arbeitsblätter wie folgt eingelesen werden:

Der Religionsunterricht soll dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler…

…sich in Alltags-, Grund- und Grenzerfahrungen der Sinnfrage stellen und mit der erlösenden Verheißung im Christentum vertraut werden (Ziel 1): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Kommunikation‘, ‚Kindheit und Jugend‘, ‚Tod und Sterben‘, ‚Belletristik‘, ‚Cineastik‘

…sich selbst und Gott in ihrem Leben finden und annehmen lernen und dabei Sakramente als Zeichen der Nähe Gottes erfahren (Ziel 2): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Kirche‘

…ihre Sozialität unter dem Anspruch der Liebe entfalten (Ziel 3): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Liebe und Geschlechtlichkeit‘

…zu ethisch begründetem Urteilen, Argumentieren und Handeln aus christlichem Verständnis fähig werden (Ziel 4): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Christliche Ethik‘

…das Humanum als Maß für Wirtschaft, Arbeitswelt und den Einsatz von Technik erkennen und diese Bereiche aus der Kraft eines prophetischen Christentums mitgestalten können (Ziel 5): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Politik und Wirtschaft‘

…den Kosmos als von Gott anvertraut sowie sich selbst als Geschöpf Gottes erfahren und für die Schöpfung Sorge tragen (Ziel 6): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Religionsgeschichte des Judentums‘ und ‚Christliche Ethik‘

…Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, im biblischen Offenbarungswort begegnen (Ziel 7): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Bibel‘ und ‚Jesus‘

…mit der Wirkungsgeschichte des Christusereignisses in Kirche und Welt sowie seiner vielfältigen kulturprägenden Kraft vertraut werden und sich in unterschiedliche Formen von Spiritualität einüben (Ziel 8): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Kirche‘ und ‚Kirchliche Dogmengeschichte‘

…die wichtigsten Welt- und Lebensdeutungen der Religionen und Weltanschauungen kennen lernen und sich respektvoll und kritisch mit ihnen auseinander setzen (Ziel 9): Arbeits- und Kompetenzblätter aus ‚Religionsgeschichte allgemein‘, ‚Religionsgeschichte des Judentums‘, Philosophie‘, ‚Christliche Philosophie‘ und ‚Cineastik‘